19.07.2010

Zum Inhalt

Bei diesem Band handelt es sich um eine Zusammenstellung von Erzählungen, die in der Welt des „Mittag, 22. Jahrhundert" angesiedelt sind.

Marsflugegel Riesenkalmar
Sora-tobu Hiru - der Mars-Flugegel Tauchgang im Ozean

In der ersten Episode sind zwei Ärzte auf dem Mars zu einer Entbindung unterwegs. Nach einem Unfall mit ihrem Fahrzeug sind sie gezwungen, den Weg zu Fuß fortzusetzen. Unterwegs treffen sie zwei Fährtensucher, die sich ihnen anschließen und kurze Zeit später helfen, den Angriff eines Mars-Flugegels abzuwehren.

In einer weiteren Erzählung gehen sechs Raumfahrer auf eine interstellare Reise, die sie erst nach rund 150 Jahren zur Erde zurückbringen wird. Der Leiter der Expedition Petrow und seine Mitstreiter wollen das Kunststück vollbringen, alle Aufgaben der Expedition zu erfüllen und trotzdem früher heimzukehren. Sie nehmen deshalb große Strapazen auf sich, das Raumschiff muss jahrelang mit mehrfacher Beschleunigung fliegen.

Viele Jahre danach erforscht der Planetenerkunder Gorbowski zusammen mit seiner Mannschaft die Atmosphäre der „Wladislawa", einem Planeten im Sternensystem EN 17. Eine erfolgreiche Landung soll endlich erreicht werden. Zudem umkreist eine außerirdische Raumstation den Planeten, die die Forscher vor große Rätsel stellt.

Einige Geschichten des Buches spielen auf der Erde. So unternehmen Forscher einen Tauchgang im Ozean, um die Ursache für Angriffe auf Wal-Herden aufzuklären. Außerdem trifft Gorbowski zwei Wissenschaftler, die in einem See nach Septopoden tauchen, einer neu entdeckten Art der Kopffüßer. In einer anderen Erzählung treffen sich zwei Freunde in einem Museum. Der eine ist ein interstellarer Jäger, der andere präpariert dessen Jagdbeute. Ein Exponat des Museums zwingt den Jäger zu regelmäßigen Besuchen und lässt ihm keine Ruhe. Eine weitere Episode erzählt, wie ein ehemaliger Planetenerkunder mit zwei Helfern eine neue Erfindung testet und durch die Hinterlassenschaften der Vorfahren eine Niederlage erlebt.

Planet Leonida pandora_kl
Planet Leonida
Pandora

Auf der Leonida versuchen einige Wissenschaftler, die Gründe für die ausgesprochen paradiesischen Zustände auf dem Planeten zu ermitteln.

Der Leiter des Unternehmens Gennadi Komow sinniert darüber, dass bei früheren Missionen viel massiver in die Umwelt der zu untersuchenden Planeten eingegriffen wurde als bei der jetzigen Forschungsreise. Er hatte vor einigen Jahren an einer Expedition zur Pandora teilgenommen, einem Planeten mit einer für Menschen gefährlichen Biosphäre. Erkenntnisse in Biologie und Medizin ermöglichen es den Forschern jetzt, behutsamer vorzugehen.

Wiese auf Leonida Wiese auf Leonida
Leonida - ein gut eingerichteter Planet Wiesenlandschaft auf Leonida

Hintergrund

Der ursprüngliche Roman erschien erstmals 1962 unter dem Titel „Rückkehr" auf Russisch. Seinen endgültigen Titel erhielt er 1967 nach einer gründlichen Erweiterung und Überarbeitung durch die Autoren. Seine Erzählungen spielen in den beiden Zeitebenen des Zukunftszyklus „Mittag, 22. Jahrhundert". (Erik Simon in [2], S. 326)
Der Roman umfasst insgesamt 20 Episoden, ist aber auf Deutsch bisher nur in Auszügen erschienen.

Im vollständigen Text wird die Geschichte der beiden Raumfahrer Sergej Kondratjew und Jewgeni Slawin beschrieben. Sie kehren nach einem langen Sternenflug auf die Erde zurück und erleben das 22. Jahrhundert. Unterstützt werden sie bei ihrer Eingewöhnung durch Gorbowski, einem anderen Rückkehrer. Er wird später die Zentralfigur in der Welt des Mittags.

Weitere Protagonisten sind die von Kindheit an miteinander befreundeten Gnedych, Kostylin, Komow und Sidorow. Ihre Erlebnisse in der Mittags-Welt sind ebenfalls Teil der Handlung. (Erik Simon in [1], S. 331 - 336)

Persönliche Wertung

Die Geschichten dieses Bandes illustrieren eindrucksvoll, wie die Autoren sich ein Leben im „Mittag, 22. Jahrhundert" (Grundzüge der zukünftigen Gesellschaft siehe Praktikanten) vorstellen.

Spannend, interessant und humorvoll werden Geschichten aus einer Welt erzählt, die dem Leser heute utopisch und unerreichbar, aber auch überaus angenehm und erstrebenswert erscheint. Dabei versuchen die Strugatzkis nicht, ihre Leser durch eine ausführliche Darstellung moderner Wissenschaft und Technik zu beeindrucken. Sie stellen das Leben der Menschen in den Mittelpunkt der Handlung, genauer gesagt, wie sie in der Zukunft zusammen arbeiten und miteinander umgehen.

Dabei werden interessante Fragen thematisiert:

  • Wie kann der Mensch Unsterblichkeit erreichen?
  • Was passiert, wenn wir Menschen selbst zum Untersuchungsobjekt Außerirdischer werden?
  • Woran erkennt man eine fremdartige Intelligenz?
  • Wie reagieren wir beim Kontakt mit einer biologischen Zivilisation?

Der Roman spielt wie schon erwähnt in zwei Zeitebenen. Dabei stellen die ersten beiden Geschichten eine Brücke zum folgenden Zeitabschnitt dar. Die Erzählung „Spezielle Voraussetzungen" ist außerdem eine wunderschöne Liebesgeschichte, wie man sie im SF-Genre nur selten findet. Interessant ist auch, dass die Handlung aus Sicht verschiedener Personen erzählt wird und dadurch einen besonderen Reiz bekommt.

Der neue Hauptheld Leonid Gorbowski ist überaus sympathisch. Seine angenehme und freundliche Art, seine Intuition, seine Bedächtigkeit und sein Weitblick geben ihm eine natürliche Autorität. In späteren Werken der Autoren wird diese Figur wieder auftauchen und der Entwicklung der Welt des Mittags entscheidende Impulse geben.

Es ist bedauerlich, dass der Roman in deutscher Sprache nur als fragmentierte Fassung vorliegt. Die einzelnen Texte sind sehr gut lesbar und funktionieren ausgezeichnet, jedoch der große Zusammenhang ist nicht ohne Weiteres erkennbar. Dem Leser wird unbedingt empfohlen, die jeweiligen Anhänge zu lesen, in denen Erik Simon weitere Details der Handlung offenlegt.

Zum Buch

Russischer Originaltitel: Альфа Эридана 1960; Полдень, XXII век 1967
Autoren: Arkadi und Boris Strugatzki (auch Strugazki)
Deutsch: Aljonna Möckel
Verlag: Verlag Das Neue Berlin 1977
Seitenzahl: 341
Ausgabe: Gebunden mit Schutzumschlag

Quellen

[1] Mittag, 22. Jahrhundert - Verlag Das Neue Berlin 1977

[2] Mittag, 22. Jahrhundert/Der Junge aus der Hölle - Verlag Das Neue Berlin 1989

[3] Quarber Merkur 93/94 - Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für SF und Phantastik

Die Bilder der Himmelskörper wurden mit der freien Software Celestia erstellt.

Das Bild Mars-Flugegel: © Tobias Marx - Fotolia.com und Mars-Flugegel - eigene Zeichnung nach einem Motiv von Rainer Fischer (Buchcover: Praktikanten, 1. Auflage Aufbau Taschenbuch Verlag Berlin 1994)

Das Bild Jagd nach Riesenkalmaren: © lassedesignen - Fotolia.com
und © foodmaster - Fotolia.com

Das Bild Planet Pandora: © frogger - Fotolia.com und © Anthony Hall - Fotolia.com
und © innovari - Fotolia.com

Das Bild Ein gut eingerichteter Planet: © Iakov Kalinin - Fotolia.com

Das Bild Wiese auf Leonida: © Galyna Andrushko - Fotolia.com

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