12.01.2012

Zum Inhalt

Am Anfang treffen wir auf den Ingenieur Akimow, der mit der Programmierung und Justierung eines neuartigen Computersystems beschäftigt ist. Akimow steht kurz vor dem Abschluss dieses Projekts und präsentiert seiner Freundin Nina voller Stolz das Ergebnis monatelanger Arbeit. Das System kybernetischer Kundschafter - kurz SKK - ist ein selbstorganisierendes System und besteht aus einer zentralen Steuereinheit und drei Zusatzgeräten, die äußerlich an Gottesanbeterinnen erinnern. Das SKK wird eine Expedition unter Leitung von Anton Bykow bei der Erforschung eines fernen Planeten unterstützen. Das kybernetische System soll unbekannte Gefahren entdecken und den Forschern Empfehlungen geben, was dagegen unternommen werden kann.

Landung auf einem wilden Planeten
Landung auf einem wilden Planeten (Das SKK im Einsatz)

Das SKK wird einer letzten Prüfung in einem Sumpfgebiet unterzogen. Entsprechende „Überraschungen“ sollen zeigen, wie gut sich die Roboter auf neue Situationen einstellen und mögliche Gefahren abwenden können. Der Test verläuft erfolgreich. Im Anschluss bittet Bykow den jungen Ingenieur, an seiner Expedition teilzunehmen. Der für die Mannschaft ausgewählte Kybernetiker ist ausgefallen und es wird dringend ein Ersatzmann gesucht. Akimow entscheidet sich für den Flug zu dem fernen Planeten, macht aber zur Bedingung, dass Nina ihn begleitet.

Hintergrund

Die phantastische Erzählung wurde 1959 erstmals in der Zeitschrift „Изобретатель и рационализатор“ („Der Erfinder und der Rationalisator“) veröffentlicht. Im Jahr 1960 erschien sie zusammen mit Werken anderer Autoren im Sammelband „Альфа Эридана“ („Alpha Eridana“) und in „Шесть спичек“ („Sechs Streichhölzer“), einem Erzählungsband der Strugatzkis.

Von der Erzählung existieren drei Versionen, die sich zum Teil inhaltlich unterscheiden (Inhalte der Gespräche zwischen Akimow und seiner Braut Nina; Einzelheiten der Biografie einiger Helden; der Name der Universität, an der Akimow arbeiten möchte; Einzelheiten des Tests). Aber an einer Stelle unterscheiden sie sich besonders - dem Schluss. In der Version des „Alpha Eridana“ ist Akimow gezwungen, sich von Nina für 12 Jahre (die Dauer der Expedition) zu trennen. In der Version aus „Sechs Streichhölzer“ nimmt Nina an der Expedition teil. In einer Sammlung des Verlages "Сталкер" (Stalker, Т. 1. Donezk, 2001) wurde später die Version veröffentlicht, die dem ursprünglichen Manuskript am nächsten kommt: Akimow trennt sich hier von Nina. Bykow beschäftigt der Gedanke, dass rückblickend nicht der Mensch, der sich zwischen Pflichtgefühl und persönlichem Glück entscheiden muss, sondern lediglich die Dauer der Expedition im Mittelpunkt des Interesses stehen könnte. ([2])

Persönliche Wertung

Ich bedanke mich bei Gerd-Michael Rose, der mir seine Übersetzung dieses Werks der Strugatzkis zur Verfügung gestellt hat.

Akimow und Nina
© Boris Alimov

Die kurze Erzählung gefällt mir sehr. Vor allem finde ich es überaus interessant, etwas über Anton Bykow zu erfahren. Sein Name wird in der Erzählung „Spezielle Voraussetzungen“ in dem Band „Mittag, 22 Jahrhundert“ nur kurz erwähnt. Er gehört zu einer Gruppe von Raumfahrern, die mit mehreren Raumschiffen zur Erkundung unserer Galaxis aufbrechen. Durch Zeitdilatation werden in den Raumschiffen nur wenige Jahre, auf der Erde dagegen Jahrzehnte vergehen. Sie kehren am Ende ihrer Reise in die Welt des Mittag zurück. Bemerkenswert ist der Stil der beiden Autoren. Durch treffende und einfache Worte beschreiben sie die Figuren der Erzählung und erwecken sie zum Leben. Anton Bykow wächst dem Leser trotz seiner anfangs etwas knurrigen und abweisenden Art ans Herz. Er besitzt einen wunderbaren Humor. Akimow berichtet bspw. an einer Stelle über Schwierigkeiten während der ersten Arbeitsphase mit dem SKK. Bei einem früheren Testlauf fällten die Roboter aus Versehen einen Funkmast, worüber sich wiederum einige Funker sehr aufgeregt haben müssen. Bykow meint dazu trocken: „ Das ist doch nicht so schlimm. Falls man statt des Mastes jemanden von den Funkern genommen hätte … den Funker in der Mitte durchgesägt in Erfüllung der dienstlichen Pflichten.“

Testfahrt
© Boris Alimov

Der Test des SKK erinnert an die erste Testfahrt des „Knaben“ in „Atomvulkan Golkonda“. Das Geländefahrzeug wurde damals von Antons Großvater (Alexej Bykow) gesteuert.

Auch in dieser Erzählung wird ein Bykow von seinen Kameraden verkannt. Angespannt und wortkarg verfolgt er den Test, sehr zum Verdruss der anderen Beobachter. Sie erhoffen sich Bestätigung und Lob für ihre Arbeit. Seine Einschätzung am Ende der Prüfung gewinnt aber gerade durch ihre Kürze und präzise Formulierung an Bedeutung.

Während des Tests wird die Vergangenheit wieder lebendig. Ein alter Panzer soll einen gezielten Angriff auf das kybernetische System simulieren. Die Autoren zeichnen ein Bild, das für die Überwindung des Alten und den Anbruch einer neuen Zeit stehen kann. Es ist ein Symbol für die Zukunft, die sich die Menschen in den 1960er Jahren erträumten. Plumpheit und Gewalt der Kriegstechnik werden durch Intelligenz und Eleganz besiegt. Das SKK zerstört nicht, sondern beeinflusst, verändert, assimiliert. Dies erfordert den Willen zur Verständigung, die Bereitschaft, Konflikte friedlich zu lösen. Es ist nicht nur die fortschrittliche Technik, auch die für die Erschaffung des SKK verantwortlichen Mitarbeiter prägen diese neue Zeit. Bykow überwindet, stellvertretend für die ältere Generation, seine Vorurteile und begreift: „… Es wäre interessant, wie viele Generationen noch vergehen müssen, bis die alten mürrischen Dummköpfe aufhören, zu wiederholen: Zu unsere Zeit waren die Menschen noch …?“

Quellen

[1] Испытание СКИБР - Die Erprobung des SKK

[2] Испытание СКИБР – WIKIPEDIA

Das Bild Landung auf einem wilden Planeten: © Alexandr Mitiuc - Fotolia.com (bearbeitet)

Die Zeichnungen wurden von Boris Alimov gemalt und stammen von der Seite "Фантасты братья Стругацкие: Иллюстрации: Борис Александрович Алимов (р. 1932)". Sie erschienen in dieser Buchausgabe: Испытание СКИБР - Стругацкий А., Стругацкий Б. Шесть спичек. – М.: Детгиз, 1960.
Die Veröffentlichung in dieser Rezension erfolgt mit freundlicher Genehmigung durch Vladimir Borisov (Redakteur).