Life in the 22nd Century

Living in a better world!

Motto

Lesenswerte SF-Literatur entdecken und vorstellen.

„Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne“mylogo

(Jean Paul)

Tagora

Die Tagora (Тагора) ist der Heimatplanet der Tagoraner, einer eidechsenartigen außerirdischen Rasse. Sie wird am Ende des 21. Jahrhunderts entdeckt und ab 2122 bestehen diplomatische Beziehungen zwischen Erde und Tagora.

Dr. Isaac Bromberg charakterisiert in seiner berühmten Denkschrift „Der ‚Monokosmos‘ - Gipfel oder erster Schritt?“ die Zivilisation der Tagoraner wie folgt:

„Die Tagoraner. Eine Zivilisation des hypertrophierten Sicherheitsdenkens. Dreiviertel all ihrer Kapazitäten konzentrieren sie auf die Erforschung schädlicher Folgen, die aus einer Entdeckung, einer Erfindung, einem neuen technologischen Prozess usw. resultieren könnten. Uns erscheint eine solche Zivilisation seltsam, aber nur deshalb, weil wir nicht begreifen, wie interessant es ist, schädlichen Folgen vorzubeugen und wie viel intellektuelle und emotionale Befriedigung dies bedeuten kann. Den Fortschritt zu bremsen ist genauso spannend, wie ihn voranzutreiben - alles hängt von der Ausgangssituation und von der Erziehung ab. Als Konsequenz gibt es auf der Tagora nur öffentliche Verkehrsmittel, keinerlei Luftverkehr, dafür aber ein hervorragend entwickeltes Kommunikationsnetz auf Leiterbasis.“ [2]

Bei den tagoranischen Gelehrten gibt es Spezialisierungen und wissenschaftliche Grade, vergleichbar mit denen der Erde.  Ebenso existiert auf Tagora eine Organisation, die die Entwicklung der Technologie und der Wissenschaften ähnlich wie die KomKon-2 kontrolliert. Sie wurde bspw. im Jahr 2138 durch Dr. As-Su geleitet.

In die ersten Jahrzehnte nach Kontaktaufnahme mit der Erde kam es zu heimlichen irdischen Progressoraktivitäten auf Tagora. So wird unter anderem im Roman „Fluchtversuch“ ein gewisser Benny Durow erwähnt. Als Botschafter (und Agent) studiert er heimlich die Technologie der Tagoraner.

Tagoraner sind in der Regel kleiner als Menschen und fühlen sich unter irdischen Bedingungen wohl. Sie sind sogar fähig, menschliche Lebensmittel zu essen und pflegen freundschaftlichen Beziehungen zu bestimmten Erdbewohnern. Die Regierung der Tagoraner hat eine offizielle Vertretung auf der Erde.

In der Zeit zwischen 2138 bis 2163 kommt es zum Abbruch der diplomatischen Kontakte durch Tagora.  Alle Erdbewohner, die auf Tagora arbeiten, müssen auf die Erde zurückzukehren. Alle Tagoraner müssen heimkehren, sogar von den Planeten am Rand des menschlichen Einflussbereichs.

Zur gleichen Zeit entdeckt eine Expedition unter Leitung von Gennadi Komow die sogenannten „Findelkinder“ in einer Anlage der Wanderer (auf einem weit entfernten Planeten).

Wie man später erfuhr, hatten tagoranische Bauarbeiter vor etwa 150 Erdenjahren beim Legen der Fundamente zur Dritten Großen Maschine im Basaltgrund des Subpolarkontinents eine seltsame Vorrichtung gefunden. Darin befand sich ein intelligent konstruiertes Nest, und zweihundertdrei Larven von Tagoranern in latentem Zustand. Das Alter des Fundes ließ sich nicht genau bestimmen. Es stand jedoch fest, dass das Nest lange vor der Großen Genetischen Revolution angelegt worden war - also noch zu der Zeit, als jeder Tagoraner in seiner Entwicklung ein Larvenstadium durchlief. Die Larven begannen sich spontan zu entwickeln, und die Regierung auf Tagora beschloss, die Vorrichtung mitsamt ihrem Inhalt sofort zu vernichten.

Die Menschen handeln jedoch anders und ziehen ihre „Findelkinder“ auf. Die Tagoraner befürchten nun, dass die irdische Zivilisation unter den Einfluss einer außerirdischen Macht geraten ist und deshalb eine potenzielle Gefahr für Tagora sei.

Die Kontakte werden erst wieder erneuert, nachdem sich die Tagoraner von der vernünftigen Politik des Weltrates in Bezug auf die „Findlinge“ überzeugt haben.

Ende das 22. Jahrhunderts herrscht unter den irdischen Gelehrten die Ansicht, dass sich die technologische Entwicklung der Zivilisation auf Tagora (ausgelöst durch den Umgang mit den eignen „Findelkindern“) im Zustand einer langwierigen Krise befindet, was sich an der Senkung des Tempos des wissenschaftlichen Fortschritts feststellen lässt. Jedoch teilen die Tagoraner selbst diese Ansicht nicht.

Quellen

[1] Die englische Wikipedia - der Artikel Less significant planets in the Noon Universe

(Stand 06.03.2015) übertragen ins Deutsche und ergänzt um einige Informationen.

[2] Gesammelte Werke 1 – 3,  A. u. B. Strugatzki, WILHELM HEYNE VERLAG MÜNCHEN 2010

[3] Gesammelte Werke 4, A. u. B. Strugatzki, WILHELM HEYNE VERLAG MÜNCHEN 2012

Lifeinthe22ndcenturylogo